Was du wissen solltest, wenn du dir ein Avocadobrot schmierst

April 20, 2017
Avocado im Salat, Avocado auf dem Frühstücksbrötchen, Avocado mit Sesam und Honig – sieht einfach immer gut aus! Längst ist das Superfood im Mainstream angekommen und von den Speisekarten diverser Hipsterläden nicht mehr wegzudenken.
April 20, 2017

2010 wurden 28.000 Tonnen Avocado nach Deutschland eingeführt, 2015 waren es bereits 45.000 Tonnen. Wo eigentlich das Problem liegt? Ein Blick auf folgende sieben Fakten macht deutlich, welche negativen Auswirkungen der stetig steigende Avocado-Konsum auf die Umwelt hat.

 

-          Problem 1: Der Transport

Überraschung, Überraschung: Die Frucht kommt von weither. Aus dem 10.000 Kilometer entfernten Peru, dem 9.000 Kilometer entfernten Südafrika oder dem „nur“ 2.000 Kilometer weit entfernten Spanien. Die Avocado ist jetzt bundesweit ganzjährig erhältlich. Im Winter kommt sie aus Brasilien, Chile und Spanien, im Sommer aus Südafrika und Peru. Avocados, heute so selbstverständlich wie ein Sack Kartoffeln.

 

-          Problem 2: Die Anbaufläche

Wenn die grüne Frucht viel Gewinn verspricht, jedoch nicht genügend Anbaufläche vorhanden ist, werden viele Hektar Wald illegal gerodet, um dort Avocadobäume zu pflanzen. Im Jahr 4.000 Hektar Nadelbäume, die verloren gehen, sagt Jaime Navia Antezana von der Agrar- und Umweltorganisation Gira zur taz.

 

-          Problem 3: Die Kühlung

In den circa 20 bis 30 Tagen, die ein Avocadofrachter von der südlichen Hemisphäre ins kalte Mitteleuropa braucht, wird die Avocado gekühlt, um den Reifeprozess zu unterbrechen. In einem Luftfeuchtigkeit-regelbaren Container wird sie bei sechs Grad Celsius in die Landebrücken der großen Häfen verschifft und mit dem LKW weiter zu Zwischenhändlern oder endgültigen Verkäufern transportiert.

 

-          Problem 4: Der Wasserverbrauch

Eintausend Liter Wasser gehen meist bei einem Kilogramm Avocado drauf – das sind zwei bis drei Früchte. Eine immense Zahl. Am anderen Ende der Welt verändert diese Tatsache ganze Landstriche. Ist es wirklich gut für die Welt, wenn der Deutsche Butter durch Berge von Avocados ersetzt?

 

-          Problem 5: Der Zeitaufwand

Avocados sind kompliziert. Sehr kompliziert. Zuerst werden die Wurzeln in einem dunklen Raum gezogen, dann mit Hormonen gefüttert bis sie in einem anderen Baum, wie zum Beispiel einem Apfelbaum, heranwachsen. Einer der Gärtner bekommt die glorreiche Aufgabe, mit einer Taschenlampe in diesem dunklen Raum jene Schösslinge auszuwählen, die bereit sind für den nächsten Schritt.

Diese schwierige Zucht lohnt sich oft nur für große Farmen, mit riesigen Anbauflächen und noch mehr Personal für die Phasen der Wurzelbildung bis hin zum Verpacken und Verschiffen.

 

-          Problem 6: Bio ist nicht unbedingt besser

Avocados in Bio-Qualität sind nicht viel besser in ihrer Ökobilanz, denn auch sie verbrauchen viel Wasser und werden über ganze Ozeane transportiert. Auch sie müssen gekühlt und verpackt werden.

 

-          Problem 7: die Avocado ist eine Prinzessin auf der Erbse

Aufgrund ihrer dürfen Avocados auf keinen Fall mit geruchabgebender Ware gelagert werden. Sie vertragen außerdem keinen Schmutz, keine Fette und Öle, die Laderäume müssen also absolut sauber sein. Auch Stöße machen der Edelfrucht viel aus, deshalb reist sie nur gut gepolstert – das Verpackungsmaterial verschlechtert die Ökobilanz zusätzlich.

 

Zum Vergleich: Ein Kilogramm Tomaten kommt im globalen Durchschnitt mit etwa 180 Litern aus, ein Kilogramm Salat mit etwa 130 Litern. Ein Kilogramm Avocados verbraucht 1.000 Liter.

 

Wann die Verbraucher der westlichen Industrienationen endlich merken werden, dass sie eine ökologisch höchst fragwürdige Frucht zur unschuldigen Allwetteralternative stilisiert haben, ist nur noch eine Frage der Zeit. Einen Anfang macht zumindest schon mal das Firedog in London, das sich gegen den langsam auslaufenden Trend wehrt und Avocados als Zutat verbannt hat.

 

Quellen:

Auch Bio-Avocados sind verdammt durstig: https://www.biorama.eu/bio-avocado/

Das Märchen von der guten Avocado http://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend

Grün, beliebt, zerstörerisch: http://www.taz.de/!5339410/

Wie viel Wasser steckt im Burger?: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-03/wasserverbrauch-weltwassertag-wasser-fussabdruck

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